Nur in deinem Kopf

 

Hier steckt mehr drin als weiße Buchstaben

Kann man Bilder verkaufen, ohne sie zu malen? Sören Siebel kann, und es ist ein erstaunlich komplizierter Prozess. Seit seiner Ausstellung “Puffer” lassen sich in der Galerie Chu zwei dieser Nicht-Bilder bestaunen: Texte aus weißen Acrylbuchstaben, einzeln an die Wand montiert. Dies ist allein schon ein ästhetisch interessantes Projekt, aber es ist der Inhalt des Textes, der das Bild hervorruft. “Mehrere scharfkantige Objekte, umgeben von rötlichem Nebel… wie sieht das bei dir im Kopf aus?” fragt Mela Chu neugierig. “Ist da vielleicht Purpur mit drin? Sind das Dreiecke? Oder Ruinen? Sind sie schwarz? Siehst du, das Bild sieht immer anders aus.” So simpel es erscheinen mag, einfach einen Text als Bild zu verkaufen – nach einem Gespräch mit der insistierenden Galeristin ist man gezwungen, ein wenig nachzudenken.

Um das Bild zu beschwören, darf der Buchstabe nicht zu sehr auffallen

Und dieser Denkprozess steht nur am Ende. Wenn Siebel einen Interessenten trifft, unterhält er sich mit ihm teils über Stunden über das Bild, das ihm vorschwebt. Danach lässt er das Gespräch Revue passieren und zieht die Essenz in ein oder zwei Sätzen, ohne sich noch einmal mit dem Kunden abzusprechen. Damit ist aus einer vagen Idee bereits etwas Neues entstanden. Steht der Auftraggeber vor seinem Bild, kann es passieren, dass etwas Anderes als zuvor als Bild in seinem Kopf hervorgerufen wird – und bei jedem Einzelnen seiner Gäste ohnehin. Damit ist ein mehrstufiger Dialog aus Vorgabe und Interpretation entstanden, der Klarheit und Auslegung, Vorgabe und Vorstellung einander ablösen und so eine Vielzahl von Bildern schaffen – zwar nur im Kopf des Betrachters. Aber dort landen ja letztlich alle Bilder.

 

Windmaschine in Aktion

Die Ausstellung “Puffer” hatte aber auch sehr konkrete, bisweilen recht lustige Seiten. Ein Ventilator blies von einem Zufallsgenerator gesteuert immer wieder eine Plastikplane auf, die fast den ganzen Raum füllte. Ein Schauspiel, das die Zuschauer faszinierte und zu Wetten auf den nächsten Windstoß einlud. Andere stellten sich ganz zwanglos in den Luftstrom. Die Installation ist allerdings wieder abgebaut, da in der Galerie chu rekordverdächtig kurze Ausstellungszeiten von höchstens zehn Tagen praktiziert werden.

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