Ein Jahr Bilderrausch im Ruttkowski

Vernissage mit DJ: Die Jahresrückschau im Ruttkowski

Sie kommen aus Holland, Argentinien oder Deutschland, sie machen grafische Kunst, Ölmalerei oder Fotografie: Zum einjährigen Bestehen der Galerie Ruttkowski;68 an der Bismarckstraße hat Nils Müller eine schillernde Retrospektive zusammengestellt. Bei ausgelassener Stimmung waren zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Samstag Werke von 14 Künstlern zu bestaunen. Nicht wenige davon entstanden in der Galerie selbst. Neben Zedz, der hier während des Cityleaks-Festivals untergebracht war, hat auch Luciano Calderon zwei Wochen in den Räumen verbracht und dabei ein beachtliches Oeuvre geschaffen, in dem er viele Eindrücke aus seinem Aufenthalt in Köln frisch verarbeitet hat.

Köln in den Augen eines Argentiniers: Luciano Calderons "Cologne"

„Das ist Bestandteil meines Konzepts“, erklärt Müller, „ich möchte mit der hier ausgestellten Kunst überzeugen und nicht einfach nur irgendwelchen Hypes hinterherlaufen.“ Immer wenn es sich einrichten lässt, bietet er dem Künstler die Galerie als Atelier an. „Wenn jemand hier anreist, lebt und arbeitet, dann hat das einen ganz klaren Einfluss auf die Arbeiten. Es sind Bilder, die sonst nie entstanden wären, und das macht sie in meinen Augen besonders wertvoll.“ Dies kann man in Calderons Köln-Portrait förmlich ablesen: „Pascha“, „Kölsch“, „Poldi“ sind nur einige Aufschriften auf den Hausfassaden, vor denen überdimensionale Autos kreuzen. In dieses indio-folkloristisch anmutende Treiben fügt sich der leicht naiv gezeichnete Dom ideal ein und sagt vielleicht mehr über die Stadt aus, als so manchem bewusst ist.

Links: "Kotzer" von Maria Gimenez. Rechts: Gäste

Das obere Geschoss zeigt viel Öl: mal monumental wie bei Maria Gimenez, mal eher expressionistisch wie bei Christian Bolte, mal eher surrealistisch wie bei Collin van der Sluijs. Ein echter Blickfang ist das überdimensional große Portrait eines russischen U-Bahn-Pendlers mit traurig-ernstem Blick und Fellkappe – eines aus einer Reihe des Künstlers ECB, der Gesichtsausdrücke von Durchschnittsmenschen in banalen Alltagssituationen festhält. „Er ist einer der interessantesten Maler, die ich je kennen gelernt habe“, berichtet Müller, „er studiert die Menschen und portraitiert sie dann unbemerkt, innerhalb von wenigen Minuten. Im Atelier macht er dann eine größere Zeichnung in Tusche und schließlich die großen monochromen Leinwände mit Lackauftrag.“

Rechts: "Subwayno 3" von ECB. Links: Galerist mit Gästen

Der Clou: Verkauft er ein Werk, sucht er die Person wieder auf, übergibt ihr die Hälfte des Erlöses als Honorar nebst einem Foto vom verkauften Werk. „Die Leute sind oft förmlich überwältigt“, sagt Müller. „ich selbst habe einen von ihnen getroffen, einen Pizzabäcker aus Brooklyn. Er sagte, dies sei der ergreifendste Moment in seinem Leben gewesen.“

Im nächsten Jahr wird Ruttkowski 68 die Schwerpunkte noch internationaler setzen. Die gebuchten Künstler haben teilweise noch nie in Europa ausgestellt und kommen aus allen Richtungen, auch ein Modedesigner wird dabei sein. Dafür laufen die einzelnen Ausstellungen länger; für 2012 sind bislang sechs Auftritte im dann zweimonatlichen Rhythmus geplant.

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