Was passiert 2012 mit dem Brüsseler Platz?

Eindringliche Mahnung: Das Plakat auf dem Brüsseler Platz

Der Herbst war noch einmal heiß – zunächst vom Wetter her, danach auch von der Stimmung. Als sich an den letzten Septemberwochenenden bei Sommerwetter noch einmal bis zu 800 Leute auf dem Platz tummelten, entschloss sich die Stadtverwaltung zu einer konzertierten Aktion von Polizei und Ordungsamt. Diese sprachen die Gäste an und baten sie ab Mitternacht, den Platz zu verlassen. Dies wurde zunächst befolgt, sorgte aber am Folgewochenende auch für Proteste, Flugblätter wurden verteilt, manche blieben hartnäckig. Seit die Nächte kühler werden, hat sich das Lärmproblem erledigt, aber die Diskussionen laufen nicht nur auf Facebook weiter, sondern auch in der Bezirksvertretung Innenstadt. In deren Novembersitzung wurde seitens der Verwaltung eine vorläufige Bilanz gezogen: Die Einsätze werden als erfolgreich eingeschätzt, ebenso die frühere Schließung des Kölnkiosks. Die Auswertung des Lärmgutachtens steht noch aus.

Im Sommer kommt die AWB täglich. Hier eine schöne Frühstücksszene

18 Maßnahmen hatte der von der Stadt eingesetzte Mediator Dr. Wiener vorgeschlagen, 17 davon fanden die Zustimmung der BV Innenstadt. Nach dem insgesamt zweijährigen Prozess haben sich zwar deutliche Verbesserungen – gerade in Bezug auf Unrat – gezeigt, aber das Lärmproblem ist einfach nicht beseitigt. Erst seit den Einsätzen zeigen sich die Anwohner wieder optimistischer. Im Oktober sorgte dann eine Veranstaltung der Freien Wähler für Aufsehen, in deren Verlauf unter anderem gefordert wurde, den Platz auch baulich abzusperren. Im Verlauf des Herbstes haben sich die Fronten teilweise wieder verhärtet: Manche Politiker sehen den Mediationsprozess durch den Einsatz der Ordnungskräfte diskreditiert und kritisieren Stadtdirektor Kahlen. Andere sehen eine unzulässige Nähe zwischen Moderator und Bezirksbürgermeister. Die Freunde des Brüsseler Platzes fürchten um die Ergebnisse der Platzbefriedung bei Rückabwicklung der Außengastronomie. Mancher Besucher fühlt sich gegängelt. Vielen Anwohnern gehen die Maßnahmen noch nicht weit genug.

Im Fokus: Kölnkiosk und Ordnungsamt

Dabei fällt die Bilanz der Verwaltung recht differenziert aus. Offen wird über Ordnungswidrigkeiten wie fortgesetztes Wildpinkeln berichtet, zugleich aber der Nutzen des Toilettencontainers hervorgehoben, dessen starke Frequentierung Schlimmeres klar verhindert hat. Das Büdchenproblem ist noch nicht gelöst: Die Nachschubwege von der Antwerpener Straße konnten noch nicht per Verfügung ausgetrocknet werden. Eine bessere Beleuchtung des Spielplatzes, der häufig zum Biertrinken missbraucht wurde, führte dazu, dass hier nächtliche Ping-Pong-Turniere statt fanden. Lösung: die Platte wird versetzt. Demnächst soll nächtliche Bewässerung der Hochbeete ausprobiert werden, so dass die Gäste nicht mehr in den Rabatten sitzen.

Grundsätzlich ein Erfolg ist die Außengastronomie. Sie sollte aber nicht wie ein Kiosk funktionieren, meint die Verwaltung.

So pragmatisch die Schritte anmuten, es ist zugleich eine neue politische Kultur des Ausprobierens und Einbindens. Im Hintergrund klingt immer die Frage an, wem die Innenstadt gehört, was dort erlaubt und was zuviel ist. Eine hoch interessante Frage vor dem Hintergrund des sich ändernden Freizeitverhaltens, bei dem das mediterrane Flair urbaner Stadtplätze in Sommernächten eine wichtige Rolle spielt – und zugleich der Wunsch, dass die Innenstadt durchgehend belebt und daher gerade auch ein Platz zum Wohnen bleiben soll. Im Labor Brüsseler Platz wird sich 2012 eine Lösung abzeichnen, um deren Gestalt in der Winterpause sicherlich intensiv gerungen wird.

In lockerer Folge sollen hier die Positionen möglichst vieler beteiligter Gruppen und Akteure vorgestellt werden. Einige Interviewzusagen gibt es schon, der erste Beitrag erscheint in den nächsten Tagen.

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